Missverständnisse im Umgang mit The Work


The Work ist eine sehr hilfreiche Glaubenssatzarbeit und nützliche Unterstützung in Transformationsprozessen, keine Frage. Doch es passiert auch leicht, dass wir mit Worken unseren eigenen Entwicklungsprozess vermeiden. Wir neigen dazu, einfache und schnelle Lösungen für unsere Probleme haben zu wollen, ohne uns selbst verändern zu müssen:

Die größte Falle (in der ich selbst längere Zeit festgehangen bin) ist für mich, The Work als eine Art mentales Anti-Depressivum zu benutzen. Ich finde mich dann mit meinem unerfüllten Dasein oder unangenehmen äußeren Umständen ab und worke sie mir "schön" anstatt mich den Herausforderungen meines Lebens und meinen Entwicklungsaufgaben zu stellen und Verantwortung für meine Lebensumstände zu übernehmen.

Andersherum kann es sein, dass ich mich selbst für toller oder erleuchteter halte, als ich es eigentlich bin. Mein Ego benutzt The Work dann dazu, jedes Feedback von außen an mir abprallen zu lassen.

Was auch oft zu Verwirrung führt ist, einfach alle Gedanken in Frage zu stellen. Damit entfremde ich mich von mir selbst und der Welt. Um selbstverantwortlich mein Leben zu gestalten und verantwortungsbewusst in der Welt zu handeln brauche ich mein gesundes Urteilsvermögen und eine tiefe Verbindung zu meiner eigenen Wahrheit des Jetzt-Moments.

Was meistens übersehen wird: Byron Katie selbst ist nicht durch The Work zu ihrer Erleuchtung gekommen. Es ist ein Trugschluss zu glauben, wir könnten mit The Work in den Frieden kommen in dem Byron Katie lebt und müssten keine schmerzhaften Transformations-Prozesse durchleben.

Wichtig finde ich auch nicht zu vergessen, dass ehrliche Zwiegespräche für das Wachsen einer Beziehung und für die Entwicklung jedes einzelnen viel fruchtbarer, transformierender und verbindender sind als jede Work. Die meisten von uns verfügen nicht über diese Art von Beziehungs- und Konfliktfähigkeit. Wenn ich sie mir erarbeiten möchte reicht es nicht aus, lediglich mein Denken zu ändern. Neue Verhaltensweisen zu entwickeln und eine neue Art zu kommunizieren zu erlernen, braucht Aktives Tun und viel Üben. (Siehe auch meine Webseite Erwachte Kommunikation)

Die Aussage von Byron Katie "Alles Leiden in der Welt wird nur von Gedanken verursacht" mag von einer hohen Bewusstseinsebene aus stimmen, doch ich finde die Aussage nicht nützlich: Ganzheitliche Heilung findet auf vielen Ebenen statt, unter anderem auf der körperlichen, emotionalen, mentalen und energetischen Ebene. Und ich finde es wichtig, alle Ebenen zu berücksichtigen und in die Heilung mit einzubeziehen.

Ulla Kruse
Artikel vom September 2016
Zuletzt geändert am 09. November 2017

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