Frieden mit der Vergangenheit


Oft hängen wir an vergangenen Situationen fest, von denen wir denken, sie hätten anders sein sollen: Meine Eltern hätten sich um mich kümmern sollen. Meine Lehrer hätten mich unterstützen sollen. Mein Vater hätte mich nicht schlagen sollen. Mein Partner hätte mich nicht verlassen sollen. Ich hätte nicht heiraten sollen...

Wir können die Vergangenheit nicht mehr ändern. Wie können wir unsere schmerzhaften Erfahrungen heilen, unsere Verluste und unsere Fehler annehmen und loslassen? Wie können wir frei werden von der Vergangenheit, damit sie nicht mehr unser Leben im Hier und Jetzt bestimmt?

Worken über die Vergangenheit

Um Ereignisse der Vergangenheit mit The Work zu erforschen, suche ich Glaubenssätze auf folgende Art: Ich stelle mir die Frage, was ich zu einem bestimmten Zeitpunkt von jemand anderem gebraucht hätte. Was hätte jemand anders tun sollen, damit es mir gut geht? Vielleicht habe ich als Kind kaum Zuwendung erfahren, war viel alleine, worunter ich noch heute leide. Mein Satz heißt also: Meine Mutter hätte sich mir zuwenden sollen.

Frage 1) Meine Mutter hätte sich mir zuwenden sollen. Ist das wahr? Wie war die Realität?

Frage 2) Meine Mutter hätte sich mir zuwenden sollen. Kann ich ganz sicher sein, dass die Vergangenheit hätte anders sein sollen, als sie war?

Frage 3) Meine Mutter hätte sich mir zuwenden sollen. Wie fühlt es sich an, was passiert, wenn ich so über meine Vergangenheit denke?
Vertiefung: Was fühle ich im Körper? Wo bin ich mit der Aufmerksamkeit? Wie verhalte ich mich in meinem gegenwärtigen Leben?

Frage 4) Meine Mutter hätte sich mir zuwenden sollen. Wie wäre es ohne diesen Gedanken über meine Vergangenheit? Was würde ich dann in Bezug auf meine Vergangenheit fühlen?
Bei dieser Frage entsteht vielleicht der Raum, sich den Gefühlen der Vergangenheit zum ersten Mal wirklich zu öffnen: Anzunehmen, dass die Erfahrung wirklich schmerzhaft war. Ich fühle mit dem kindlichen Teil in mir, der die Erfahrung damals gemacht hat und wehre mich nicht mehr gegen die aufkommenden Gefühle.
Vielleicht ändert sich mein Blick auch auf eine andere Weise: Es könnte z.B. sein, dass ich Zugang bekomme zu meiner Fähigkeit für mich selbst zu sorgen und plötzlich sehe, dass mir diese Fähigkeit auch schon damals zur Verfügung stand.

Umkehrungen:

Ich hätte mich mir zuwenden sollen. (Selbstumkehrung)
Bei dieser Umkehrung kann es sein, dass ich, wie oben beschrieben, sehe, dass das möglich gewesen wäre und sich das gut anfühlt. Vielleicht war ich aber auch wirklich noch zu klein, um mir selbst Zuwendung zu geben. So oder so, da ich die Vergangenheit nicht ändern kann, hole ich die Umkehrung in die Gegenwart:
Ich sollte mich mir heute zuwenden.
Warum ist das eine gute Idee? Wie könnte ich das tun? Was wird dadurch möglich?

Ich hätte mich meiner Mutter zuwenden sollen. (Gegenüberumkehrung)
Bei dieser Umkehrung kann ich vielleicht auch sehen, dass das möglich gewesen wäre und dass sich das gut anfühlt. Oder ich war noch zu klein um mich jemand anderem zuzuwenden. So oder so, ich hole auch diese Umkehrung in die Gegenwart:
Ich sollte mich heute meiner Mutter zuwenden.
Warum ist das eine gute Idee? Wie könnte ich das tun? Welche Person könnte in der Gegenwart noch gemeint sein, der ich mich zuwenden sollte?

Meine Mutter hätte sich mir nicht zuwenden sollen. (Verneinung)
Was habe ich aus dieser Vergangenheit für das Heute gelernt? Wie fühlt es sich jetzt an, so auf meine Vergangenheit zu schauen?

Abschluss: Welche neuen Perspektiven und Möglichkeiten stehen mir jetzt zur Verfügung, um mein Leben heute zu leben?

Zurück zur Startseite

Weitere Themen