Coabhängige Beziehungen lösen

Beziehungsfähigkeit entwickeln

Als coabhängig bezeichne ich Beziehungen, in der zwei Menschen sich gegenseitig ermöglichen, ihre innere oder äußere Realität zu verdrängen und destruktive oder suchtartige Verhaltensweisen beizubehalten.

Bei Co-Abhängigen denken wir als erstes an die Partner von Alkoholsüchtigen: Sie haben Verständnis, entschuldigen die kranken Verhaltensweisen des Süchtigen, bügeln dessen Versäumnisse aus und fühlen sich verpflichtet, ihn zu "retten". Dabei ignorieren sie ihre eigenen Schmerzen und Bedürfnisse. Der Süchtige selbst leidet in der Regel gar nicht so sehr unter seinem eigenen Verhalten. Er hat die ganze Aufmerksamkeit seines coabhängigen Partners und bleibt davon befreit, die Verantwortung für sein Leben selbst zu übernehmen.

Suchtartiges Verhalten ist nicht auf Alkohol und Drogen beschränkt. Wir können auch süchtig sein nach Anerkennung, nach Arbeiten, nach Erfolg, nach Essen, nach Rauchen, nach Selbstbestätigung, nach Ablenkung, nach Erleuchtungserlebnissen, nach Sex, nach helfen wollen ... (Wenn Du Dich von Deiner Sucht befreien willst, findest Du hier Worktipps: Sucht überwinden)

In einer coabhängigen Beziehung finden sich also zwei Menschen zusammen, deren suchtartigen Verhaltensweisen sich gegenseitig ergänzen. Die Beziehung lebt davon, dass beide Beziehungspartner ihre destruktiven Verhaltensmuster aufrechterhalten. Beide sind überzeugt davon, dass alles gut wird, wenn nur der andere sich endlich ändern würde.

Wie kann Worken helfen?

Zunächst mal: Coabhängige Beziehungsmuster zu überwinden ist eine große Herausforderung und braucht seine Zeit, viel Entschlossenheit und Mut, und eine ganze Menge Works. Folgende Vorgehensweise finde ich nützlich:

Ich worke wie unter Beziehungen heilen beschrieben, mit einem Urteilssatz und einem Verlangenssatz. Das kann z.B. so aussehen:
Klaus übernimmt keine Verantwortung für sein Leben.
Klaus sollte für mich da sein.

Ich gehe zuerst den Urteilssatz durch "Klaus übernimmt keine Verantwortung für sein Leben" mit den gewohnten 4 Fragen und den Umkehrungen. Dann nehme ich mir den Verlangenssatz "Klaus sollte für mich da sein" vor. Auch hier gehe ich durch die 4 Fragen und die erste Umkehrung: Ich sollte für mich da sein.

Der entscheidende Unterschied liegt jetzt bei der Gegenüberumkehrung des Verlangessatzes. Sie lautet:
Ich sollte für Klaus da sein.

Diese Umkehrung ist im Zusammenhang mit Co-Abhängigkeit kontraproduktiv. Denn sie verstärkt mein eigenes Suchtverhalten, mich mehr um den anderen zu kümmern als um mich selbst. Daher braucht es an dieser Stelle eine doppelte Umkehrung:
Ich sollte/darf damit aufhören, für Klaus da zu sein.

Nicht mehr für den anderen da zu sein, kann mich zunächst in ziemliche Aufruhr versetzen. Da ist Angst, den anderen zu velieren, Angst davor auf mich allein gestellt zu sein, ich befürchte, dass der andere ohne mich überhaupt nicht mehr klar kommt. Und ich bin nun selbst mit all meinem ungeheilten Schmerz konfrontiert, vor dem mich die coabhhängige Beziehung bisher bewahrt hat.

So schwierig diese Phase ist, so erlösend ist sie auch. Endlich habe ich die Möglichkeit, mich mir selbst zuzuwenden und Heilarbeit dort zu leisten, wo sie auch wirkt. In meinem eigenen Inneren.

Um den eigenen Veränderungsprozess und den Weg durch die Angst wirksam zu unterstützen, ist das Worken mit Wenn-Dann-Sätzen hilfreich. Inspirationen dazu findest du unter:
Innere Begrenzungen überwinden - dem Herzen folgen
Anleitung zum Worken mit Wenn-Dann-Sätzen

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